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Skandinavien mit dem Motorrad 1991
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1990 hatte ich mit meinem Freund Tim eine Motorradtour nach Finnland gemacht. Irgendwie waren wir beide nicht so begeistert, weil die Landschaft doch nicht so dolle war. Für meine Begriffe sind wir auch recht wenig gefahren. Dieses Jahr will ich alleine nach Skandinavien fahren und mehr Kilometer zurücklegen. Der Weg ist das Ziel. Wie immer geize ich mit meinem Urlaub. Ich nehme die Woche direkt vor Pfingsten und habe somit inclusive dem Pfingstmontag zehn Tage frei. Zur Sicherheit nehme ich auch noch den Dienstag frei. Losfahren will ich natürlich gleich nach der Arbeit, um auch ja kein Minütchen zu verschenken.

Die Nordkaptour 1989 ist mir noch in bester Erinnerung. Die allernördlichste karge Landschaft ohne Bäume, die hat mich wirklich fasziniert. Da möchte ich wieder hin. Ich rede mit niemandem darüber, aber ich will versuchen dies in den elf Tagen zu schaffen. Den Freitagnachmittag wo ich losfahre habe ich ja noch zusätzlich. 1989 sind wir ja auch in vier Tagen zum Nordkap gekommen. Allerdings waren wir zu zweit, und mit dem PKW unterwegs. Dafür habe ich jetzt eine Wahnsinnsmotivation Kilometer zu reißen!!!

Nungut, gleich nach der Arbeit geht es los. Ich quäle mich durch den Hamburger Stadtverkehr. Beim vorbeidrängeln touchiere ich einen PKW, aber es ist zum glück nichts passiert. Endlich erreiche ich die Autobahn. Schon nach wenigen Kilometern beginnt ein Wahnsinnsgewitterguß. Ich rette mich mit meiner bepackten Honda CX500 unter die nächste Autobahnbrücke. Ich habe Vogelfluglinie gebucht, die Fähren fahren so oft, daß ich nicht zu einer bestimmten Zeit in Puttgarden sein muß. Der Regen dauert nicht ewig, und so geht es Vollgas nach Puttgarden weiter. Die Fähre nach Dänemark fährt auch sogleich. Auf der Fähre fragen mich andere Motorradfahrer ob ich denn etwas größeres vorhätte? Mein Motorrad ist ziemlich bepackt, und der Reserve-Kraftstoffkanister ist auch deutlich zu sehen. Ich antworte ausweichend...

Durch Dänemark fahre ich dann mit dann gesittet mit den erlaubten 100 km/h obwohl mir das sehr schwerfällt. Ich will nach Norden, Norden, Norden! Es zieht mich magisch an. Im Kopf rechne ich die ganze Zeit, ob ich es wohl bis Montag abend an die Nordmeerküste schaffe... Mein erstes Ziel ist nicht das Neppkap, sondern Jakobselv, der nordöstlichste Zipfel von Norwegen an der sowjetischen Grenze.

In Helsingør angekommen will ich mein Mopped nochmal volltanken bevor ich in das teurere Schweden übersetze. Die JET-Automatentankstelle ist die billigste am Platz. Ich stelle mein Motorrad ab, stecke 50 Kronen in den Schlitz, und drücke die "blyfri 95"-Taste. Allerdings merke ich plötzlich, daß ich wohl an der falschen der beiden "blyfri-95"-Zapfsäulen stehe. Also bocke ich ganz hurtig mein vollbepacktes Motorrad ab und schiebe es zu der anderen Zapfsäule. Ich will tanken, aber es kommt nichts. Mist, dann war wohl doch die erste Säule die richtige. Ich schiebe mein Motorrad voller Panik wieder zu der anderen Zapfsäule. Aber auch hier kommt nicht sofort Benzin! Ich werde unruhig, bestimmt stellt gleich eine Zeitautomatik die Zapfsäulen ab und das Geld ist weg. Also versuche ich nochmal schnell mein Motorrad zu der anderen Zapfsäule zu schieben, aber die Zeitschaltuhr schaltet plötzlich erbarmungslos die Pumpen ab, was ich voller Frust an dem plötzlich fehlenden Brummen bemerke. So ein Mist, und das nur weil ich nicht vorher gründlich die Bedienungsanleitung gelesen habe. Dies tue ich jetzt aber bevor ich den zweiten 50-Kronenschein opfere. Diesmal gelingt das Tanken.
Ich erblicke einen "Meckerkasten" mitsamt Vordrucken wo man sein Problem schildern kann. Ich fülle den dänischen Vordruck mit einer sprachlichen Mischung aus englisch und fantasiedänisch aus. Was ich jetzt noch nicht weiß: Wenn ich zu Hause ankommen wird im Briefkasten ein dänischer Briefumschlag mit einem 50-Kronenschein auf mich warten. Damit hätte ich nie ernsthaft gerechnet.
Ich setze mit der Fähre nach Schweden über.

Es ist schon spät und wird dunkel. Meine Fahrmotivation ist aber noch ungebrochen. In Schweden angekommen geht es gleich auf die E4. Nach wenigen Kilometern verliert mein Motorrad an Geschwindigkeit, so als ob das Benzin alle ist und bleibt stehen. Mist, was ist denn das, ich habe doch gerade erst getankt!!! Leichte Panik kommt auf, ich stehe hier in der Nacht einsam auf dem Seitenstreifen mit einem kaputten Motorrad! Das hat man nun davon, wenn man alleine in die Fremde fährt.
Ich will überprüfen ob noch Benzin aus dem Tank kommt und ziehe den Benzinschlauch vom Vergaser ab. Erst kommt kein Benzin. Ist der Tankauslaß verstopft? Ich stehe im dunkeln und rätsele.Plötzlich riche ich den penetranten Benzingeruch, auf dem Boden bildet sich eine Pfütze. Da kommt ja doch Benzin!. Ich stecke den Schlauch schnell wieder auf den Vergaser. Hmm, nochmal probieren zu starten. Das Mopped springt problemlos wieder an. Komisch! Ich fahre nun ganz normal weiter. Nach einigen Kilometern stockt das Motorrad wieder. Ich ziehe den Benzinschlauch ab, warte bis Benzin kommt, stecke ihn wieder auf und danach klappt es wieder. Ich habe das Problem weiterhin in immer länger werdenden Intervallen. Ich weiß zwar nun wie ich es beheben kann aber nicht wo es herrührt. Vielleicht Dreck im Tank?

Mein Ziel ist eigentlich die Stelle am See in der Nähe von Boxholm, die mir bei meinen beiden vorigen Urlauben so gut gefallen hat. Allerdings bedeutet dies einen Umweg von zwei mal ca. 25 Kilometern, und da es sowieso schon finster ist, entschließe ich mich den Väner-See nun westlich zu umfahren und mir den Umweg zu ersparen. Es ist mittlerweile tief tief nachts und langsam steigt Müdigkeit in mir auf. Ich sehe vor mir eine Baustelle und ein Absperrung, aber nicht ob die Straße dort nach rechts oder nach links weg biegt. Als ich auch nach genauerem hingucken nicht erkennen kann wo die Straße langführt, hilft nur noch eine Vollbremsung. Ich komme kurz vor dem Schild zum stehen. Nun kann ich mich orientieren. Die Straße geht rechts entlang, aha. Die Aktion war nun nicht so toll, es wird Zeit ein wenig zu schlafen.
Irgendwo am Straßenrand baue ich mein und Tims einwandiges Billigzelt auf, das wir schon auf der Nordkaptour 1989 benutzt hatten. Was besseres kann und will ich mir nicht leisten, ich bin ja schließlich noch Azubi.
Am nächsten Morgen bin ich ausgeschlafen. Ich schaue mir nochmal im Hellen mein Motorrad an, kann aber den Fehler nicht finden. Egal, weiter geht's.
Nach kurzer Zeit stelle ich fest, daß mein Tacho kaputt ist. Na toll. Die Geschwindigkeit kann ich leicht am Drehzahlmesser ablesen, aber die interessanten gefahrenen Kilometer fehlen nun leider.
In Askersund fahre ich an eine Tankstelle, ich eiere erst durch den ganzen Ort um die billigste zu finden. Ich überlege ob ich jetzt durch mein Gesuche nach einer billigen Tangstelle nicht mehr Benzin verschwende als ich dann durch den günstigeren Sprit einspare.

Beim Tanken sehe ich, daß der Tankrucksack direkt auf der Tankentlüftung liegt. Um das Betanken zu erleichtern, habe ich einen Schutzdeckel über dem Tankdeckel entfernt, und der Tankrucksack liegt nun auf dem eigentlichen Tankdeckel der nur ein kleines Loch als Entlüftung hat auf. Das würde das Phänomen erklären.

Ich fahre weiter nach Norden. Schon nach kurzer Zeit stockt der Motor wieder. Ich ziehe und zerre nun an meinem Tankrucksack um ihn von der Belüftung abzuheben und siehe da - der Motor nimmt wieder Gas an. Dieses Zerren am Tankrucksack soll mich noch durch den ganzen Urlaub begleiten, Konstruktionen mit Stöckchen die die Entlüftung freihalten sollen funktionieren nicht.
Ich gehe dazu über möglichst schon immer vorsorglich Luft in den Tank zu lassen, bevor die Maschine unter Spritmangel leidet, aber das gelingt auch nicht immer; manchmal fängt die Maschine dann doch an zu stottern.

Kurz vor Gävle ist plötzlich mein Tank leer. In Gävle wollte ich eigentlich tanken. Wie gut daß ich einen vollen Reservekanister dabeihabe. Allerdings ist er so gut im Gepäck verknotet, daß das loszurren, betanken und hinterher wieder festzurren ziemlich lange dauert.

Ich genieße die Landschaft, die an mir vorbeifliegt. Ich halte nur zum tanken und zum pinkeln. Dabei ärgert es mich fürchterlich, daß neben den Parkbuchten der ganze Straßengraben vollgeschissen ist und voller Papiertücher liegt. Können die Leute denn nicht ein paar Meter weiter in den Wald gehen um ihr Geschäft zu verrichten? Wenn ich nur fünf Meter in den Wald gegangen bin, hört der Ekelkram auf dem Boden schlagartig auf. Ich gehe immer ein- oder zweihundert Meter in den Wald hinein und genieße diese Spaziergänge. Einzig und allein, daß ich auf meinem Weg in den Wald immer diese vollgekackte Zone durchqueren muß empfinde ich als sehr störend. Bald stelle ich aber fest, daß auf der Straßenseite gegenüber der Parkbucht alles sauber ist. Die Leute schaffen es offenbar nur noch aus ihrem Auto heraus direkt in den Straßengraben. Ab nun benutze ich immer die dem Parkplatz gegenüberliegende Straßenseite.

In Sundsvall lasse ich es mir nicht nehmen, nocheinmal an der Stelle vorbeizufahren wo Tim und ich vor zwei Jahren unsere Panne hatten. Irgendwie aber wenig beeindruckend, eben ein Straßenrand in Sundsval. Kurz hinter Sundsval halte ich auf einem Parkplatz und stecke mir Ohrenstöpsel in die Ohren. Mein Tankrucksack verwirbelt die Luft so ungünstig, daß ich in meinem Helm ständig einem Riesenradau ausgesetzt bin.
Als ich wieder losfahre und nun plötzlich die Welt um mich herum so ruhig ist gerate ich in eine melanchonische Stimmung und fühle mich plötzlich ein wenig einsam. Es ist ca. 23:30 Uhr und es ist noch einigermaßen hell. Scheinbar geräuschlos gleite ich nun die Straße dahin.
Ich schaffe es heute noch bis in die Gegend um Örnsköldsvik. Dort fahre ich in einen Feldweg und schlage mein Billigzelt auf. Was heißt da "mein" Zelt, es gehört Tim ja auch zur Hälfte! Es wird schon nicht mehr richtig dunkel und ich genieße die Einsamkeit. Ich falle schon bald in einen teifen Schlaf.

Nach einem kurzen Frühstück geht es gleich weiter immer nach Norden. Meine Motivation zu fahren ist ungebrochen. Ich fahre die E4 weiter nach Norden. Ich bin ein wenig enttäuscht wie viel Verkehr hier noch ist, auf der parallel verlaufenden Straße 45 weiter im Landesinneren trifft man in diesen Breiten kaum noch auf andere Fahrzeuge.
Gegen Nachmittag erreiche ich die finnische Grenze. In Haparanda wird die nächste Tankstelle angesteuert. Der Sprit ist hier z.Z. viel billiger als in Schweden. Der Reservekanister wird gleich wieder mitaufgefüllt. Nun geht es die "Eismeerstraße" immer weiter nach Norden. Ich passiere den Polarkreis, halte aber nicht an. Irgendwann ist es dann doch Zeit und ich schlage mich in den Wald und baue dort mein Zelt auf.
Am nächsten Morgen wache ich zwar recht früh auf, komme aber nicht in die Hufe. Ich bin im Moment gar nicht so richtig motiviert schon weiterzufahren. Ich lese ein ganzes Buch durch. Am frühen Nachmittag packe ich dann endlich meine Sachen zusammen und breche auf. Noch auf dem Waldweg fahre ich durch eine Pfütze hindurch, die sich dann aber als Schlammloch herausstellt. Ich stecke mit dem Hinterrad fest. Meine Versuche durch bloßes Gasgeben aus dem Schlammloch herauszukommen führen natürlich nur dazu, daß ich mich noch tiefer eingrabe. Tja, es hat keinen Zweck. Ich habe mich nun bis zu den Auspufftüten eingegraben. Ich steige von meinem Motorrad. Es bleibt trotz des vielen Gepäcks im Schlamm stecken. Es hilft alles nichts, ich entlade das Motorrad vollständig um es dann mit roher Gewalt aus dem Schlamm zu ziehen. Das klappt dann auch. Nun muß ich natürlich im Wald noch eine Stelle finden, wo ich das Motorrad zum Beladen wieder aufbocken kann. Aber auch das schaffe ich und nach einiger Zeit kann ich durchgeschwitzt wieder starten. Immer weiter geht es auf der sogenannten "Eismeerstraße" nach Norden. Endlose Wälder werden mit dem Motorrad durchquert.
Ich passiere den Inarisee, der mich sogleich fasziniert. In Kamaanen biege ich rechts ab Richtung Sevettijärvi. Die Landschaft beeindruckt mich total. Es ist warm und die Sonne scheint. Es gibt hier einige Ferienhütten und man trifft immer wieder mal auf Leute, aber nur auf sehr wenig Autos.
Hinter Sevettijärvi hört die asphaltierte Straße auf. Auf der Piste kann man aber auch ganz gut fahren. Die Bäume werden immer niedriger, jetzt sind nur noch Birken vorhanden. Da es zum Nordmeer aber nicht mehr weit ist, wundere ich mich darüber, daß es überhaupt noch Bäume gibt.
Bald passiere ich die Grenze nach Norwegen. Es ist tatsächlich ein Maschendraht quer durch die Pampa gespannt, wahrscheinlich wegen der Rentiere. Die Straße ist auch durch so ein komisches Gitter ersetzt über das die Rentiere wohl nicht laufen können.
Die Straße ist hier in Norwegen jedenfalls wieder asphaltiert. Ich merke, daß ich die ganze Zeit auf einem Hochplateau unterwegs war, denn vor mir geht es jetzt in ein tiefes Tal. Ich erreiche die E6 und biege rechts Richtung Kirkenes ab. Immer noch gibt es kleine Birken. Ich bin verwundert, am Nordkap gab es keine Bäume mehr. Naja, ein wenig weiter südlich bin ich noch, aber höchstens 100 Kilometer.
Die Sicht auf das Nordmeer ist grandios. Die Sonne scheint und man kann von oben auf kleine, oft rundliche Inseln hinunterschauen. Allerdings passiert man kilometerweit irgendein angebliches Militärgebiet, man darf hier nicht anhalten, nicht fotografieren und keine Pause machen. Lächerlich!
Mein Ziel ist nicht Kirkenes, sondern Grense Jakobselv. Dort mündet die norwegisch-sowjetische Grenze ins Meer. Kurz vor Kirkenes kommt eine Abzweigung Richtung Sowjetunion. "Murmansk" ist ausgeschildert und "Sovjetunionen". Ich finde die Schilder so abenteuerlich, und freue mich so, daß ich jetzt hier im äußersten europäischen Norden einen Blick in die UdSSR dem "Reich des Bösen" werfen kann, daß ich unbedingt Fotos von den Schildern machen muß.

Ich fahre nun wieder durch eine etwas erhöhte, völlig karge, faszinierende Landschaft. Der Asphalt hört auch wieder auf. Bald erreiche ich den Grenzfluß (den Jakobselv). Er ist vielleicht fünf Meter breit, auf der norwegischen Seite ist ein einfacher Maschendraht, auf sowjetischer Seite auch. Es sieht nicht so aus, als ob die Grenze vor der Perestroika schärfer gesichert war. Kein Vergleich mit der ehemaligen DDR-Grenze. Die UdSSR ist zum Greifen nahe. Ich fahre noch bis zum Ende der Straße, dort wo der Jakobselv in das Meer mündet. Dort steht auf der russischen Seite auch ein hoher Grenzturm, in dem sogar Wachen sind. Auf der norwegischen Seite warnen Schilder davor Kontakt mit den Grenzposten aufzunehmen, außerdem ist es verboten über die Grenze hinüber zu fotografieren. Allerdings nimmt niemand diese Schilder mehr ernst.
Hier sind auch einige andere Touristen, obwohl es eigentlich nichts zu sehen gibt, außer dem weiten Blick aufs Nordmeer.

Da der Tag weit fortgeschritten ist und ich eigentlich vielleicht noch zum Nordkap will, drehe ich schon bald um, und fahre nun die E6 nach Westen. Mein Tag-Nachtrythmus ist schon ein wenig durcheinander und so fahre ich bis nachts gegen drei. Es wird ja nicht dunkel. In der Gegend von Neiden schlage ich mein Zelt auf einer Wiese auf. Ein Bächlein ist nicht weit, und da ich mich seit Hamburg nur aus dem Kanister gewaschen habe, ist eine gründlichere Körperpflege mit Haarwäsche dringend nötig. Obwohl hier nicht allzu viele Mücken sind, reichen sie doch, einem den Spaß gründlich zu verderben. Als ich dann endlich saubere Wäsche angezogen habe fühle ich mich ber trotzdem sauwohl.
Am nächsten Morgen geht es weiter. Durch Unachtsamkeit verpasse ich eine Tankstelle und könnte das Pech haben daß mir das Benzin trotz Reservekanister ausgeht. Ich fahre aber weiter. Irgendwo finde ich dann überraschend auch eine kleine Tankstelle, die zwar recht teuer ist, aber Benzin hat. Bei den 14 Litern die mein Tank faßt, ist der hohe Preis dann doch nicht so schlimm...

Weiter geht's Richtung Lakselv. Die Sonne scheint und auf der Fahrt am Porsangen-Fjord entlang fühle ich mich aufgrund der trockenen Vegetation in den mediterranen Raum versetzt. Nur ganz so warm ist es nicht. Ich durchquere Lakselv und fahre Richtung Olderfjord. Nun muß ich mich entscheiden, fahre ich zum Nordkap, oder biege ich nach Süden Richtung Alta ab?

Ich entscheide mich für Alta. Die Fähre zum Nordkap ist sauteuer. Den Eintritt zum Nordkap hätte ich mir gespart, da ich mitten in der Nacht (so um zwei oder drei) dort aufkreuzen wollte,dann ist die Kasse wohl trotz Mitternachtsonne nicht mehr besetzt.

Nun geht es das Sennalandetfjell hoch, es wird deutlich kühl. Das Wetter ist aber immer noch ganz hervorragend. Bald sind die ersten Schneefelder zu erkennen. Ich fahre auf einen Parkplatz am Straßenrand. Eine Schneezunge ragt auf den Parkplatz. Voller Übermut fahre ich mit dem Vorderrad hinein. Das hätte ich besser nicht getan, denn nun muß ich das Motorrad rückwärts wieder rausschieben, und das ist überhaupt nicht leicht, weil es hier etwas abschüssig ist. Ich krampfe eine ganze Zeit herum und bekomme aber nichts gebacken. Ich kann auch nicht vom Motorrad absteigen, weil ich es hier im Schneematsch natürlich nicht aufbocken kann. Na Sven, das hast Du ja wieder ganz toll hinbekommen.

Irgendwie schaffe ich es dann doch nach ziemlich langer Zeit mich mit roher Kraft und viel Geduld wieder aus dieser Situation zu befreien. Puh! Zittrig fahre ich weiter und befinde mich plötzlich auf der falschen Straße Richtung Hammerfest. Das ist Tim und mir doch schon auf unserer Tour 1989 passiert! Diesmal habe ich es zum Glück sehr schnell gemerkt.

In Alta kaufe ich in einem Supermarkt eine überteuerte Cola und lasse es mir nicht nehmen in Hamburg bei Tim und Birgit anzurufen um zu erzählen wo ich bin. Dann geht es weiter auf der E6 Richtung Süden. Ich will diesmal auf der norwegischen Seite bleiben und die E6 bis nach Helsingør hinunterfahren. Hoffentlich hält sich das Wetter, aber im Moment sieht es ja ganz vielversprechend aus. Ich fahre noch bis nachts um eins, kann die Mitternachtssonne aber nicht richtig sehen, da um diese Zeit Berge den Blick auf die Sonne versperren. Naja, viel anders als um 23:30 Uhr wird sie auch nicht ausgesehen haben. Zum übernachten schlage ich mich irgendwo in den Wald.

Am nächsten Tag sieht das Wetter immer noch einigermaßen aus, aber einige Wolken sind jetzt unterwegs. Bei Bognes ist die E6 durch eine Fähre unterbrochen. Kaum verlasse ich die Fähre beginnt es zu regnen, erst wenig, dann immer mehr. Ich ziehe meinen Regenkombi und meine Regenschuhe an, leider fehlt mir aber ein Regenhandschuh. Da ich aus unerfindlichen Gründen nicht akzeptieren kann, daß nur eine Hand trocken bleibt, ziehe ich den einen Handschuh auch nicht an. Schon bald sind beide Hände naß. Das fahren ist nervig, nicht nur daß es regnet, nicht nur, daß ich nasse Hände habe, nein ständig fährt man durch irgendwelche Orte und kann nur 50 km/h fahren. Obwohl ich noch im hohen Norden bin, ist die Küste hier doch recht dicht besiedelt.

Das Tanken ist auch immer oberätzend, da ich mich immer aus dem Regenkombi quälen muß um bezahlen zu können. Es ist angeenehmer Handschuhe unter den Regenkombiärmeln zu tragen, was das Anziehen desselben natürlich noch weiter verkompliziert. Als dann noch kurz nachdem ich getankt habe eine unangekündigte Mautstelle kommt bin ich völlig genervt, was ich der Kassiererin auch zeige. Erstens nervt es mich, daß ich hier wieder Geld loswerde, mit dem ich nicht gerechnet habe, zweitens nervt es mich, daß ich um an mein Geld zu kommen wieder den Regenkombi ausziehen muß, und drittens bin ich genervt, daß ich nicht die paar Kilometer von der Tankstelle gefahren bin ohne die Handschuhe unter die Ärmel zu tüdeln.

Irgendwann baue ich dann irgendwo mein Zelt auf. So richtig einsam ist es hier nicht, die E6 ist nicht weit, und auf der anderen Seite ist irgeneine Baustelle oder ein Steinbruch, wo die ganze Nacht hindurch gearbeitet wird. Auch die Einheimischen scheinen die Helligkeit zu nutzen. Ich nehme die Handschuhe mit ins Zelt, krempele sie auf links und nehme sie mit in den Schlafsack.
Leider sind sie am nächsten Morgen noch immer recht naß. Ich komme auf die gute Idee anstatt des zweiten Regenhandschuhs einfach eine Plastiktüte zu nehmen, was zwar wunderbar funktioniert, aber leider sind die Handschuhe schon naß. Ich fahre und bin genervt. Der Regen verleidet mir Norwegen genau wie schon 1989.

Kurz hinter Mo i Rana habe ich die Nase voll. Ich drehe um und fahre auf direktem Wege Richtung Schweden. Hoffentlich regnet es dort nicht so sehr.
Der Regen hört zwar nicht ganz so abrupt auf wie auf unserer Reise vor zwei Jahren, aber doch allmählich innerhalb der ersten 50 Kilometer. Der Himmel ist jetzt ungefähr zu 50% bedeckt und zu 50% blau. Ich bin begeistert. Nicht nur von dem besseren Wetter, sondern auch von der faszinierenden Fjell-Landschaft.

Kurz vor Vilhelmina ist mein Tank leer, ich hatte schon damit gerechnet und fülle den Reservetank ein. In Vilhelmina steuere ich die nächste Tankstelle an. Irgendwas ist hier offensichtlich los, denn viele Jugendliche sind hier an der Tankstelle. Schon bald bemerke ich den Grund: Eine Zapfsäule ist kaputt und spendet Sprit, ohne daß man vorher Geld in den Automaten gesteckt hat. Allerdings tröpfelt das Benzin nur hinaus, aber mit der entsprechenden Geduld wird der Tank dann auch voll. So ein Glück, daß ich gerade recht viel Platz im Tank habe und einen leeren Reservekanister!!! Irgendwann bin ich dann auch an der Reihe und plätschere Tank und Kanister voll. Es ist zwar verbleiter Kraftstoff, aber da ich keinen Kat habe schadet das auch nicht.

Nun geht es frohgemut die Straße 45, den Inlandsvägen nach Süden. Die Straße ist leer und gut, das Wetter ist kühl aber schön. Gegen 00:00 Uhr schlage ich mein Zelt auf. Es gibt hier Heidelbeeren, ich nasche eine ganze Weile bevor ich zu Bett gehe.

Am nächsten Tag studiere ich die Karte, und denke daß es eigentlich möglich sein müßte nach Gräsö, einer Insel etwas nördlich von Stockholm zu gelangen. Dort war ich vor einigen Jahren mit meinen Eltern und vor zwei Jahren mit Tim. Das Fahren durch die schwedischen Wälder bringt mir wieder Spaß. Das Wetter ist durchwachsen aber überwiegend schön. Am Abend kömme ich in Öregrund an, wo die Fähre nach Gräsö geht. Auf Gräsö suche ich wieder nach der Stelle wo ich mit Tim übernachtet habe, genieße den Frieden und schlage dort mein Zelt auf.

Irgendwie habe ich am nächsten Morgen keine Ruhe, ich möchte unbedingt zu der Stelle am See, wo ich die letzten beiden Jahre mit Tim war. Der See liegt ungefähr 150 km südlich von Stockholm. Ein weites Stück! Also geht es gleich los, so daß ich abends am See ankomme. Es ist wie ein nach Hause kommen. Es ist absolut windstill und der See liegt spiegelglatt und wunderschön vor mir. Ich nutze die Gelegenheit zu einem inzwischen dringend nötigen Bad. Es tut mir richtig weh, dabei die glatte Wasseroberfläche zu zerstören.

Nun will ich noch den Reservekanister in das Motorrad füllen, damit ich nicht das teure schwedische Benzin nach Deutschland exportiere. Naja, eigentlich ist es das Kostenlose Benzin aus Vilhelmina, aber wenn ich den Kanister nun nicht benutze muß ich ja hier noch fünf Liter mehr tanken.

Ich opfere die Colaflasche aus Alta indem ich sie zerschneide und die obere Hälfte als Trichter benutze, das klappt auch ganz gut. In der Dämmerung gehe ich noch einmal zum See, der spiegelglatt daliegt. Leider habe ich nur eine supereinfache Billigkamera dabei, schade! Ein Foto wird natürlich trotzdem gemacht.

Am nächsten Tag will ich nur noch nach Hause, ich packe die Sachen zusammen und fahre, fahre fahre, nur unterbrochen von zwei Fährpassagen und diversen Tankstopps.
Nun komme ich schon am Sonntag zu Hause an, zwei Tage früher als geplant und das obwohl ich wirklich weit, weit, weit gefahren bin.
Als erstes nehme ich mir die Landkarte vor und rechne aus, wie weit es denn nun wirklich war, denn mein Tacho ist ja kaputt. Ich errechne 6750 Kilometer. Ich war neuneinhalb Tage unterwegs, das macht über 700 Tageskilometer im Schnitt! Ich bin irre, aber es hat mir einfach Spaß gemacht!

Du bist Leser Nummer seit dem 20.09.1998

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